Marina Weisband: mit Mut statt dickem Fell…

Frisches Denken

Marina Weisband: "Gesellschaft bedeutet letzten Endes: Wir teilen uns unsere Probleme und lösen sie gemeinsam." (Foto: Tobias M. Eckrich)

Eine junge Politikerin sorgt mit couragiertem Auftreten und frischen Ideen für Schlagzeilen. Sie erhält außerordentlich viel Beifall und Zustimmung, aber auch etliche böse Kommentare: Marina Weisband ist seit Mai 2011 (ehrenamtliche) Politische Geschäftsführerin der PIRATENPARTEI Deutschland. Ende April 2012 tritt sie von diesem Amt zurück. 1987 in Kiew geboren, siedelte sie 1994 mit ihrer Familie nach Deutschland über. In Wuppertal absolvierte sie ihr Abitur, seit 2006 studiert Weisband in Münster Psychologie. Auf ihrer Website (www.marinaslied.de) präsentiert sie ihre Sicht der Dinge, auf dem Web-Portal der PIRATEN sowie über twitter und facebook kommuniziert sie ausführlich.

Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Artikel, den Marina Weisband auf ihrer Website am 17. Dezember 2011 veröffentlicht hat: „Das Dilemma des offenen Politikers“.

„Ich kämpfe, seit ich in diesem Amt bin, unter Anderem auch dafür, das Bild des Politikers  zu ändern. Ich schrieb bereits darüber, dass ich finde, dass MENSCHEN Politik machen sollten. Politik sollte nahbar sein, durchsichtig, niedrigschwellig, vertrauensvoll. Mir war immer klar, dass das eine Utopie ist, aber ich dachte, ein kleines Stück davon kann man ja wenigstens durch Beispiel verwirklichen.Ich hatte Politiker kritisiert, die nie persönlich auf Emails antworten. Die man nicht erreichen kann. Die nicht auf Kritik eingehen. Die immer in verdunkelten Autos rumfahren, nie Fremden zuhören und nichts Menschliches zeigen.

Seit ich selbst zu einer gewissen Bekanntheit gelangt bin, muss ich meine Erfahrungen hier teilen, weil ich plötzlich mehr Gründe dafür verstehe. Früher dachte ich, diese Politiker seien eitel, von sich eingenommen, weltfremd. Aber ich fürchte, es gibt gewichtigere Gründe. (…)

Es scheint so zu sein, dass zu einer gewissen Bekanntheit ganz automatisch ein paar Leute mitgeliefert werden, die einen ohne Grund hassen, die beleidigen, die meinen, einen zu kennen und zu durchschauen, ohne einem je begegnet zu sein. Es ist völlig egal, was man tut, diese Personen sind immer da und sie sind laut. Und wenn man sie aufmerksam liest, verletzen sie einen einfach, ohne irgendwas Besseres zu hinterlassen. (…)

Von meinen Freunden bekomme ich in dieser Zeit immer wieder den Hinweis: Ignorier diese Penner einfach. Schaff dir ein dickes Fell an. Man braucht ein dickes Fell in der Politik.
Ein dickes Fell hat nun aber auch die Schattenseite, dass es isoliert. Also auch konstruktive Kritik abschirmt. Es macht weniger empfindlich und weltfremd. (…)

Ich werde mir keine “dickere Haut” zulegen, meine Haut ist dick genug. Ich werde meine Ohren nicht verschließen. Ich bin ein Experiment. Kann eine Gemeinschaft einen Politiker machen? Können wir die Politik dadurch verändern?

Es ist völlig utopisch und töricht und dumm. Aber ich könnte es mir jedenfalls nicht verzeihen, es nicht zumindest zu versuchen.“ (Marina Weisband, www.marinaslied.de)

TG

 

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